15:01, Melanie und ich sind seit einer halben Stunde am Bahnsteig. Der Zug faehrt gleich los - geplante Abfahrt 15:04 - und wir haben unser Gepaeck bereits verstaut. Eigentlich ist alles bestens, aber wir haben dieses Gefuehl, dass irgend etwas fehlt. Es kann nichts wirklich Wichtiges sein, denn wir sind unsere Packlisten mehrfach durchgegangen. Alles ist eingepackt.
Herr Brinsa (Ralfs Papa) schuettelt verzweifelt den Kopf. Das vierte Mal in den letzten zehn Minuten. Doch ploetzlich ruft er - eher ueberascht - "Da kommt er!". Man sollte glauben, dass Ralf im Bahnhof schlecht auszumachen ist, denn es sind viele Menschen unterwegs. Aber eine Person bewegt sich eindeutig langsamer und irgendwie ungleichmaessig durch die Bahnhofshalle. Ja, das ist er! Ich schaue noch ein Mal auf die Uhr um abzuschaetzen, ob ich es wagen kann den Zug nochmal zu verlassen. Ich koennte es noch schaffen, es sind noch zwei Minuten bis zur Abfahrt.

Ich renne die Treppe des Bahnsteigs hinab und aus der Naehe kann ich sehen, dass Ralf dieses Mal selbst fuer seine Verhaeltnisse spaet dran ist. Die Haare stehen wirr vom Kopf ab, der grosse Rucksack haengt ihm ziemlich schraeg auf der Schulter, die Wanderstiefel sind nicht zugeschnuerrt, die langen Schnuersenkel schleifen ueber den Boden, dass man glaubt er muesse jeden Moment darueber fallen. Schweiss rennt in beachtlichen Stroemen von seiner Stirn. Er sieht ein wenig verzweifelt aus.
Irgendwie schafft Ralf es aber noch rechtzeitig in den Zug. Nun kommt auch Frau Brinsa angelaufen - sie schuettelt genau wie Herr Brinsa immer wieder ihren Kopf.
Der Zug hat nun schon Verspaetung und faehrt immernoch nicht los.

Alles wird gut! Am meisten sind Ralfs Eltern erleichtert.
Die Zugfahrt verlaeuft eher unspektakulaer. Am Berliner Hauptbahnhof dauert es nicht lange und unsere Fuehrerin erscheint. Es ist Ralf Schwester. Sie kennt sich scheinbar aus, denn sie laeuft zielstrebig ueber endlose Rolltreppen nach ganz oben des Berliner Hauptbahnhofs. Voll bepackt druecken wir uns in die gut gefuellte U-Bahn, verteilen mit unseren Rucksaecken Kinnhaken an die Mitreisenden. Irgendwo in Berlin steigen wir dann aus und schleppen uns mit letzter Kraft - schweissgebadet- in Uli's Hinterhofwohnung in der Erich-Weinert-Strasse, Prenzlauer Berg.
19:53, Ralf packt seinen Rucksack aus und bringt unzaehlige Mengen an Tabletten ans Tageslicht. Melanie hilft Ralf nun dabei alle Gepaeckstuecke auf die Wage zu legen. Kurz darauf beginnt Ralf damit, eine Rolle mit Muelltueten ab- und wieder aufzurollen. Einigen seiner Aeusserungen kann man entnehmen, dass jetzt Gewicht und Groesse seinen Rucksacks optimiert werden. Das Ergebnis ist beeindruckend, schon nach einer halben Stunde ist die Rolle mit Muelltueten genauso gross wie vorher. Ich versuche nicht weiter drueber nachzudenken und nehme mir statt dessen heimlich das dritte Stueck Kirchkuchen vom Teller.
Vor dem Abendbrot begeben wir uns schnell noch auf eine Kurzmission. Wir erkunden den Weg zur S-Bahn und kaufen Baterien fuer die Stirnlampen in den Schoenhausener Arcaden. Diese sind bestimmt nicht kleiner als die Dresdner Altmarktgalierie und scheinen hier in Berlin absolut nichts Besonderes zu sein.
Im Restaurant "Mosaik" bedanken wir uns noch kurz bei Wolfgang Sonnenburg fuer die von ihm verkaufte Rufbereitschaft. Wolfgang Junior bekommt auch gerade Abendbrot - heute gibt es "links". Da Wolfgang noch mit Freunden dort im Restaurant verabredet ist, verdruecken wir uns schon bald um endlich das Abendbrot anzugehen.
23:22 Uhr, Ralf hat das Messer abgeleckt!
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