Moskau, Scheremetjewo 2. Vier Meter von den Toiletten entfernt liegen wir auf dem Fussboden. Nach einem ausgiebigen Spaziergang ueber den Moskauer Flughafen - der ganze 10 Minuten gedauert hat - warten wir nun auf unseren Flieger nach Ulan Bator. Es ist jetzt 15:15 Uhr, wir sind puenktlich gelandet. Der Flug mit Aeroflott von Berlin war sehr angenehm. Zu sehen war leider nicht viel, da es die ganze Zeit bewoelkt war. Erst im Anflug auf Moskau konnten wir etwas vom Land sehen. Groesstenteils Wald und auffaellig viele Seen liegen rund um Moskau. Im Sommer ist das bestimmt super. Fotografieren duerfen wir hier am Flughafen scheinbar nicht. Interessant sind aber sowieso nur die vorsindflutlich anmutenden Traktoren vor dem Gepaeckwagen. Das Flughafengebaeude selbst sieht aus wie die meisten osteuropaeischen Bauwerke, welche in Zeiten des Sozialismus entstanden sind: haessliche Wanddecken, dunkler Beton und grauer PVC-Belag auf dem Fussboden, der an die Gaenge unserer alten Schulgebaeude von frueher erinnert.
Eindeutig Moskau
Das Flughafengebaeude ist enttaeuschend klein und es gibt extrem wenige Sitzplaetze im Transferbereich. Also liegen die meisten - vor allem die juengeren - Touristen im 1. Stocke auf dem Fussboden und warten. Wir haben noch 5 Stunden Zeit! Melanie hat schon die Skatkarten in der Hand. Positiv festzuhalten ist bisher nur die enge und kurze Kleidung des weiblichen Flughafenpersonals.
Die Ueberpreufung unserer Reisepaesse haben wir irgendwie erfolgreich hinter uns gebracht. Man hat aber den Eindruck, dass man mit Englisch hier nicht gerade auf der sicheren Seite ist. So, nun ist auch Ralf zurueck. Er hat gerade den russischen Boden "begruesst". Er war von den russischen Toiletten nicht sehr angetan: Keine Fluessigseife, aber immerhin nicht vollkommen verdreckt. (Na, wenn er gewusst haette was noch auf ihn zukommt).

Irgendwo zwischen Novosibirks und Ulan Bator
Gegen 19:45 Moskauer Zeit steht nun endlich auch unserer Flug nach Ulan Bator auf den Anzeigetafeln. Auf der grossen Anzeige steht Gate 12, auf den kleinen Anzeigen steht Gate 10. Wahrscheinlich wirds also Gate 11? Wir durchlaufen eine weitere Handgepaeckkontrolle, die hier ziemlich unorganisiert und oberflaechlich ablaueft. Die Sicherheitsmitarbeiterin am Scanner erkennt einige Dinge nicht richtig, denn ich haben Kamera und Laptop im Rucksack gelassen. Sie will aber nicht dass ich den Rucksack auspacke sonder es ihr nur erklaere und schon ist sie zufrieden...so viel zur Sicherheit.
Wir laufen zum Gate 10. Die Sache wird immer spannender. Am Gate 10 selber steht nichts von Ulan Bator, sonder selbst 10 Minuten vor geplantem Abflug steht dort Barcelona. Am Gate 12 wird gerade nach Duesseldort zum Boarding gerufen. Wir merken dass wir nicht die Einzigsten sind, die langsam nervoes werden, letztlich gewinnt aber doch Gate 10 ganz knapp vor Gate 12. Ein Bus bringt uns zum Flugzeug. Wer bisher leichte Bedenken wegen Aeroflott hatte, fuehlt sich nun auf jeden Fall bestaetigt. Der Bus faehrt an einigen Flugzeugen vorbei, die aussehen also haetten sie 50 Jahre Dienst hinter sich. Wir sind jedes mal erleichtert wenn der Bus an solchen Maschinen nicht stehen bleibt. Letzlich sitzen wir dann in einer zumindest frisch, in silber und blau lakierten Tupulev, wenn auch mit 1 Stunde Verspaetung. Wir sind der netten Dame vom Aeroflott Checkin dankbar, denn sie hat es nicht nur geschafft uns drei Plaetze nebeneinander zu geben, sondern uns sogar in Reihe 19 platziert, direkt am Notausgang und damit mit ordentlich Beinfreiheit.

Ralf sucht schon mal den Notausgang
Dafuer steht das innere des Flugzeuges im krassen Gegensatz zu der neuen Lackierung auf der Aussenseite. Die Sitze sehen ziemlich wild aus. Kaum eine Lehne zeigt in die gleiche Richtung und es gibt Sitzpolster welche dicker sind, als die bei meinen Eltern auf dem Sofa. Dafuer sitzt man sehr weich.

in einer Tupulev in Richtung Mongolei
Kaum sizten wir, gibt es die naechste Ueberraschung. Es wird kein Direktflug nach Ulan Bator wie urspruenglich geplant, sondern wir fliegen erstmal nur 4 Stunden nach Novosibirsk. Spaetestens mit dem Anlassen der Turbinen der Tupulev hat Ralf nun entgueltig mit seinem Leben abgeschlossen. Die Geraeusche klingen nicht normal fuer unsere Ohren, aber alle anderen hier sind nicht ueberrascht. Der Flug ist aber ganz ok, und irgendwie doch anders als alle Fluege die ich bisher gemacht habe. Vermutlich liegt es am Flugzeug. Am Anfang fliegt der Pilot noch einige Schlenker um Gewitterwolken. Dabei liegt das Flugzeug ordentlich auf der Seite und er beschleunigt dabei so dass man noch tiefer in den weichen Sitzpolstern versinkt. Es geht recht ruhig weiter bis Novosibirsk. Das russische Essen bei Aeroflott ist geniesbar, mit Getraenken wird eher gegeizt. Man bekommt genau 1xTee und 1xSaft, und dass auch nur zum Essen. Von Novosibirsk sehen wir nicht viel, ausser der grossen Leuchtschrift am Flughafengebaeude.

Tanken gegen Mitternacht in Novosibirsk
Nach 1h auftanken (alle bleiben dabei im Flugzeug) geht es weiter nach Ulan Bator, wo wir mit 2h Verspaetung ankommen. Der Flugplatz ist auf jeden Fall der interessanteste, den wir bis hier her gesehen haben. Zuerst denkt man, dass es ein Flugzeugfriedhof ist, da sehr viele alte Maschinen einfach rechts und links der Landebahn stehen. Je laenger wir aber zum Flughafen rollen, desto unsicherer bin ich mir, ob das wirklich alles ausrangierte Fluggeraete sind. Das Flughafengebaeude von Ulan Bator ist sehr klein. Drinnen zeigen wir unser Mongoleivisum vor.
ein Mongoleivisum von 2007
Wir sind uns etwas unsicher, weil wir keine Adresse auf dem Einwanderungsschein angegeben haben. Es sind auffaellig viele uniformierte Menschen am Flughafen zu sehen. Viel mehr als in Moskau. Am Gepaeckband zittern wir nochmal, weil wir uns eigentlich sicher sind, dass unsere Rucksaecke nach Groenland geflogen wurden. Aber die Bedenken waren unberechtigt. Auch das geht gut. Jetzt wo wir da sind, fragen wir uns das erste mal wie es jetzt weiter geht. Wir haben unseren Freund Batnjam schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Mal sehen ob wir ihn ueberhaupt finden. Wenn nicht, findet er sicher uns, denn wir fallen hier auf jeden Fall auf.

Ulan Bator, Flughafen "Chinggis Khan"
Am Ausgang warten sehr viele Mongolen auf die Reisenden. Letztlich entdecken wir Batnjam doch schnell. Wir sind ueberrascht: er hat seine ganze Familie mitgebracht! Frau, Tochter, Schwester, Schwager, Bruder und Tochter von seinem Bruder. Wir werden herzlich begruesst und fuehlen uns sofort wohl und irgendwie gleich zur Familie zugehoerig. Toll! Wir sind nun gespannt wie es weiter geht.
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