Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug nahm ich mir fest vor, besonders auf meinen kleinen Wanderrucksack aufzupassen, denn da sind die Kameras drin. Nach der Begruessung durch Batnjam und seiner Familie gehen wir zu den Autos. Alle Helfen mit dem Gepaeck und so bringen wir alles zu den zwei Autos. Wir erfahren spaeter, dass die Autos extra fuer uns geputzt wurden. Kaum sitzen wir bekomme ich Panik, denn irgendwer hat mir waehrend unserer Begruessung den Wanderrucksack abgenommen! So viel zu meinem Vorhaben gut auf die drei Kameras aufzupassen. Batnjam beruhigt mich und sagt, dass der Rucksack bestimmt in dem anderen Auto bei seinen Verwandten ist. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt ist fuer Europaer schon ein abenteuerliche Erfahrung! Es geht auf einer schlechten Asphaltstrasse vorbei an Feldern mit Grass, auf denen der Wind grosszuegig jede Menge Plastiktueten verteilt hat.

Weg vom Flughafen zur Stadt
Dazwischen sieht man Rinder und Schweine. Es dauert nicht lange und wir stehen im ersten Stau und staunen ueber die mongolischen Verkehrsregeln. Regeln? Naja, es ist wohl wie in anderen asiatischen Laendern, dass die wichtigste Regel ist, dass man hupen muss. Es werden keine Spuren eingehalten und es wir auch nicht fuer Fussgaenger gestoppt. Wenn es eng wird, draengelt man einfach um sich vorwaerst zu kaempfen und ganz wichtig: es wird gehubt!
Die Fahrt bis zur Wohnung dauerte nicht zu lange. Wie es scheint, ist die Stadt von einem Guertel mit Jurten umgeben. So wie es aussieht wohnen hier die aermeren Menschen. Direkt dahinter stehen ein paar Plattenbauten mit ungefaehr 10 Etagen, die fuer uns aussehen, als waeren sie schon etwas aelter. Alles sieht recht krumm und schief aus. Das Treppenhaus hat kein Licht und die Treppen haben unterschiedliche Winkel. Aber wir erfahren von Batnjam dass die Gebauede gar nicht so alt sind. Die Qualitaet ist nur nicht so gut, weil sie von chinesischen Firmen gebaut wurde.

Ankunft in Ulan Bator
Anmerkung:
Falls ihr euch fragt, warum wir ausgerechnet in die Mongolei reisten, hier ist woran ich mich erinnere: Ich denke es fing damit an, dass wir den Dokumentarfilm Film "Die Geschichte vom weinenden Kamel" (Byambasuren Davaa) gesehen haben. Tolle Bilder von der faszinierenden Landschaft und den Menschen. Da die Mongolei kein typisches Reiseziel ist, gibt es oder gab es nicht allzu viele Informationen wie man so eine Reise am besten anstellt. Ich erinnerte mich an einen Kommilitonen Batnjam. Wenn ich zu ihm Kontakt aufnehmen koennte, bekaeme ich sicher die besten Tipps. Ich wusste das er nach dem Studium aus Dresden zurueck in die Mongolei gezogen war, da Ralf ihm beim Umzug geholfen hatte. Ich selbst hatte Batnjams Kontakt nicht mehr, aber Ralf hatte noch eine email-Adresse. Ich versuchte es einfach mal und tatsaechlich meldete sich Batnjam und gab mir ein paar Tipps und spaeter auch die Telefonnummer seiner Schwester, welche noch in Deutschland war und hier studierte. Wir schrieben ihm, was wir vor hatten und die Plaene wurden konkreter. Alles allerdings extrem schleppend, da wir nicht telefonieren konnten und Batnjam nur an der Uni von Ulan Bator einen Internetzugang hatte. So vergingen manchmal Wochen ohne das wir eine Antwort bekamen. Irgendwann macht Batnjam den Vorschlag, dass er mitkommen wuerde und unser Dolmetscher sein wuerde. Was fuer ein Glueck! Wir hatten also jemanden der sich nicht nur auskannte, sondern auch noch mongolisch und deutsch spricht. Besser geht es eigentlich nicht. Und doch wurde es noch besser! Unsere Idee war es, fuer einige Tage in Ulan Bator zu bleiben bevor wir in die Wildnis aufbrechen wuerden, um uns die Stadt anzusehen, den Jetlag loszuwerden und uns mit allem noetigen zu versorgen was noetig war. Wir baten Batnjam uns ein Hotel zu empfehlen. Ein paar Tage spaeter meinte er, dass er mit einer Reiseleiterin gesprochen haette und diese haette ihm gesagt, dass Deutsche Touristen manchmal lieber statt in einem Hotel, lieber bei einer mongolischen Familie wohnen woellten, damit sie Land und Leute besser kennen lernen. Wir fanden die Idee super und baten Batnjam das zu organisieren. Mittlerweile schlug Batjam auch eine Reiseroute vor. Wir wuerden von Ulan Bator aus etwa 1.000 km westlich fahren, dort hin wo er als Kind aufwuchs und wo seine Mutter noch immer lebte. Batnjam wollte auch ein Auto, einen Fahrer und einen Koch besorgen. Und so zaehlten wir die Tage und freuten uns dass es endlich los ging.
Die Familie bei der wir hier im Hochhaus untergebracht wurden, war die Familie von Batnjams Bruder. Wir waren zunaechst etwas ueberrascht, denn das hatte Batnjam noch nicht erwaehnt, fanden die Idee aber super. Die Wohnung war in der 4. Etage des Hochhaus und aus dem Fenster winkten uns Batnjams Schwaegerin und seine Schwester Battsengel zu.

Melanie und mein Zimmer fuer die naechsten zwei Naechte
Wir bringen also uns Gepaeck nach oben und bekommen unsere Zimmer und ein Fruehstueck. Wir wissen es nicht genau, vermuten aber, dass das Fruehstueck nach dem Geschmack der Deutschen ausgerichtet wurde. Es gab unter anderem Rama und Nutella.

Fruehstueck und Planung fuer den Tag. Ralfs Eltern haben genau den gleichen Teppich zuhause.
Anmerkung:
Im Tagebuch steht jetzt hier, offensichtlich mit einem anderen Stift geschrieben: "Jetzt muss ich Ralfs Stifte anfassen." Und Ralf hat in das Reisetagebuch geschrieben: "Ich werde mich nicht dazu auessern!"
Nach dem Fruehstuck geht es mit dem Auto des Schwagers in die Stadt. Die Fahrt ist wieder sehr spannend! Das wir es ohne Unfall bis ins Stadtzentrum schaffen ist eigentlich unglaublich.

Fahrt durch Ulan Bator
Irgendwie finden wir in der von Autos voellig ueberfuellten Innenstadt einen Parkplatz und werden nun zum Fussgaenger. Auch als Fussgaenger gilt hier: wer stehen bleibt und zoegert verliert.
Wir haben nicht gesehen, dass irgendwer fuer einen Fussgaenger der auf der Strasse steht halten wuerde und selbst an Zebrasteifen wird nicht gehalten.

Aber Batnjam passt gut auf uns auf und erklaert uns alles. Wir laufen ueber schlecht erhaltene Fusswege zum Platz vor dem Regierungsgebaeude. Dort in der Mitte gibt es eine Figur von Dschingis Khan. Auf dem Platz stehen einige besonders prachtvolle Jurten mit einer kleinen Ausstellung kunstvoller Schnitzerreien fuer Touristen und Einheimische.

Ulan Bator, vor dem Regierungsgebaeude

eine prachtvolle Jurte von Innen

Ausstellung von Schnitzerkunst in den Jurten.
Beim Verlassen der zweiten Jurte springt ein juengerer Mongole vor mich, gerade als ich durch die Tuer nach draussen treten wollte. Die Aktion war so auffaellig, dass ich misstrauisch werde und schnell meine Hosenbeintasche festhalte, an welcher sich ein zweiter Mongole von hinten zu schaffen macht. Wir waren schon durch Batnjam gewarnt wurden und hatten deshalb nur Kopien unserer Paesse und wenig Geld mit zu diesem Ausflug genommen. Ich hatte trotzdem Lust dem Typen eine Ohrfeige zu verpassen. Aber genauso schnell wie sie versucht hatten meine Tasche zu entleeren waren die beiden auch wieder verschwunden.

Fandungsfoto
Die Lust auf die anderen Jurten vergeht uns jetzt und wir laufen weiter zum Eingang des Regierungsgebaeudes, welches gerade mit einer neuen, prachtvollen Fassade versehen wird. Batnjam erzaehlt, dass das Gebauede eigentlich immernoch das alte haessliche Gebaeude ist, und das wirklich buchstaeblich einfach eine neue schicke Fassade direkt davor gebaut wurde.

es wird viel gebaut in Ulan Bator

Chingis Khan
Wir machen ein paar Fotos von uns und Chingis Khan und gehen danach weiter in Richtung Nationaluniversitaet, wo Batnjam arbeitet. Auf der Rueckseite des Regierungsgebaeudes zeigt uns Batnjam ein Denkmal, was bereits 13 mal geaendert wurde. Die letzte Version hat sich fast durchgesetzt, denn mit der kyrillischen Schrift ist man nicht ganz so zufrieden.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Universitaet. Batnjam zeit uns alles und stellt uns zuerst dem Professor fuer Elektrotechnik vor.

Batnjams Arbeitsort
Zueerst wirkt er etwas genervt, aber nachdem Batnjam auf ein Funkmessgeaet aus Deutschland zeigt und wir immer mehr Geraete aus Deutschland entdecken, taut der Professor richtig auf und bringt immer mehr Geraete "Made in Germany" zu Tage.

Jede Menge Messgeraete aus Deutschland

aus Dresden!
Er oeffnet nun alle Schraenke und teilt schon bald unsere Freude darueber. Wir erfahren dass die meisten Geraete Geschenke der Humboldt Universitaet Berlin sind. Wir machen ein paar Fotos und verlassen den nun froehlichen Professor fuer Elektrotechnik. Batnjam stellt uns noch ein paar weiterer Lehrer vor. Wir wollen gerade gehen, da sagt ein Mongole auf deutsch "Guten Tag!". Wir erfahren, dass dieser Herr der Rektor der Fakultaet (also Batnjams Chef) ist und schon laedt er uns in sein Buero ein.

Er eraehlt uns von seinem Studium in Halle in sehr gutem Deutsch.Danach besuchen wir auch noch einige von Batnjams Studenten im ersten Semester, die uns bestaunen und einige ihrer Arbeiten zeigen.Ein ganz junger Mongole kommt noch dazu. Er spricht ebenfalls sehr gut Deutsch. Er hat in Deutschland studiert und bereits promoviert. Er zeigt uns ein Projekt, bei dem es um automatisch aggierende Roboter geht und mit dem sie bei einem nationalen Wettbewerb den ersten Platz gewonnen haben und damit im September bei einem internationalen Vergleich in Vietnam teilnehmen duerfen.

Uebungsplatz fuer die Roboter
Nach dem Besuch an der Universitaet ruft Batnjam ein Taxi. Auf dem Beifahrersitz sitzt ein kleiner Fratz, den Batnjam kurzerhand auf den Schoss nimmt, waehrend wir hinten sitzen. Der jugendliche Fahrer hoert mit ordentlich Bass Rihanna und kaempft sich durch den schon beschriebenen krassen Verkehr von Ulan Bator. Batnjam will uns heute noch ein tibetische Kloster zeigen. Vorher muss er jedeoch noch zu einem Termin beim Sozialamt um vom dortigen Chef einen Vertrag unterschreiben zu lassen. Wei einige andere Besucher haben wir wohl die Oeffnungszeit knapp verpasst, oder es ist nicht wirklich geoeffnet. Ein aelterer Mongole bewacht die verschlossene Eingangstuer.

Das ist nicht die Tuersteher
Seine Aufgabe scheint darin zu bestehen, neue Besucher abzuwimmeln. Dementsprechende Szenen koennen wir nun beobachten. Auch Batnjam wird abgelehnt. Er ruft aber an, und erhaellt weniger spaeter doch noch Zutritt zum Gebaeude.

wir warten auf die Audienz

komplizierte Verhandlungen - wir wissen worum es geht

Ralf und das Rohr
Wir lernen nun ein mongolisches Sozialamt kennen und machen ein paar Fotos. Nach dem Termin geht es zu Fuss weiter vorbei an einigen Hochhaeussern wor entweder gerade auf dem Dach Muell verbrannt wird oder das Dach geteert wird. Es ist nicht ganz eindeutig auszumachen. Es geht weiter vorbei an ein paar Jurten und einfachen Huetten zum Kloster.

auf dem Weg zum Kloster



Angriff der Tauben

Teil 2 - Ruekkehr der Tauben



Ein Geruest aus Bambus
Die Sonne geht langsam unter. Wir machen einige Fotos. Danach geht es wieder den Berg hinab in die Stadt zurueck. Wir sind mittlerweile ziemlich K.O. Zusammen mit dem Fahrer und Batnjams Familie gehen wir im Restaurant "Der moderne Nomade" Abendbrot essen. Das Essen ist sehr gut dort und scheinbar eine gute Adresse fuer die empfindlichen, europaeischen Maegen. Wir laden alle zum Essen ein und bekommen ein wirklich gutes Abendbrot dort. Wir bezahlen fuer alles zusammen etwa 26.000 Toegroeg (Tugrig). Das sind etwa 20 Euro. Danach werden wir zurueck zu unser Gastgeberfamilie gefahren wo wir schnell und voellig erschoepft einschlafen.

Abendbrot im modernen Nomaden
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