Dienstag, 27. Februar 2018

18 - Kamele

17.07.2007

Nach der schlimmen Nacht haben alle gute Ideen wie man Melanie helfen koennte. Von Wodka bis Reiswasser ist alles dabei. Zu unserem grossen Glueck ist einer der in der Nacht angekommenen Personen der beste Arzt der ganzen Gegend.




Der Mann traegt eine rote, dreckige Jogginghose und ein T-Shirt in undefinierbarerer Farbe. Die Jogginghose hat er bis ueber den Nabel seines stattlichen Bauches gezogen. Er erinnert stark an Homer Simpson. Ausserdem scheint er trotz der fruehen Stunde bereits einen im Tee zu haben. Seine Untersuchung beginnt mit der Musterung unserer Zelte, welche wir gerade abbauen.  Er ist mir sofort sympatisch. Er nimmt Melanie den Puls. Er scheint das zumindest schon mal im Fernsehen gesehen zu haben. Waehrend dessen unterhaelt er sich munter mit Batnjam. Waehrend Batnjams Familie auf Sonnenstich plaedieren, tippt der beste Arzt der Mongolei  auf schlechtes Wasser. Auf jeden Fall bekommen wir jetzt besseres Wasser von ihm und Iltim gibt darauf hin eine runde Wodka aus.



Wir haben diesmal eine gute Ausrede, da wir vorher schon Medizin genommen haben. Zuerst raet uns der Arzt, unsere letzte Flasche sauberes Wasser aus Ulan Bator mit etwas Salz und Zucker zu verseuchen. Nach ein paar runden Wodka aendert er seine Mening jedoch: am besten ist ein oredntlicher Schluck Wodka. Diesen Rat hatten wir aus Verzweiflung schon einen Abend vorher befolgt - ohne Erfolg uns so bleiben wir stur. Statt dessen nehmen wir unsere Mineral-Vitamintabletten und das gute Wasser aus Ulan-Bator. Etwa Dextro-Energen hilft uns Energie aufzunehmen, ohne viel zu essen. Die geplant, fruehe Abfahrt ist bereits jetzt nicht mehr zu schaffen. Iltim zeigt den neu angekommen jetzt auch noch wie man Fische fangen kann. Wir laufen langsam den Berg hinauf, damit der Kleinbus im tiefen Sand nicht stecken bleibt. Irgendwann kommt Baya mit Iltim und Melanie angefahren und wir fahren den schwierigen, sandigen Weg zurueck. An der Kreuzung stehen ein paar Reiter, die alle nicht gerade vertrauenserweckend aussehen. Sie machen die "Anhalten"-Geste, aber Baya faehrt zum Glueck weiter. Leider kommen wir wieder nicht weit, denn der Motor streikt wieder. In der Ferne sieht man einige Punkte langsam groesser werden - unsere ignorierten Reiter.







Waehrend der Fahrt hat Iltim weiter tapfer den Wodka vernichtet. Ungluecklicherweise liegen Timka und Iltim im Gepaeckbereich, und damit direkt auf den Wodkareserven. Melanie und mir geht es nicht so besonders, so dass wir nicht einmal einen Blick auf die vielen in der Naehe befindlichen Kamele werfen wollen.













Das Problem mit dem Motor scheint diesmal etwas groesser zu sein. Es dauert jedenfalls sehr lange und schliesslich sind die Reiter da. Aus der Naehe sehen sie wirklich noch mehr wie Wegelagerer aus. Sie scheinen insbesondere an unseren Wodkareserven interessiert zu sein. Sie bieten jedenfalls an, dass wir uns auf die Kamele setzen koennen, wenn wir 100ml Wodka rausruecken. Iltim ist von der Idee begeistert und sieht eine gute Gelegenheit seinen Trinktag fortzusetzen.




Eine Absperrung






















Auch wir muessen irgendwann auf ein Kamel. An einem anderen Tag haette ich mich gefreut, heute geht es mir aber dreckig und so mache ich wohl kein sehr freundliches Gesicht. Irgendwann haben alle mal auf einem Kamel gesessen und wir duerfen weiter fahren, nachdem der Diel abgeschlossen wurde.  Von Timka erfahren wir nun, dass Ralf gegen eine mongolische Tradition verstossen hat, indem er ueber die Zuegel eines Pferdes gelaufen ist. Ich hatte mich schon gewundert, warum ein Pferd besonders lange Zuegel hatte, etwa 5 Meter lang. Und genau dieses Pferd wurde vor unserem Fahrzeug ueber den Weg getrieben, und dessen Zuegel blieben auf der Strasse liegen. Moderne Wegelagerer mit geschickter Auslegung der Tradition.










Waehrend Baya tankt, sizten wir in einer fuer die Reisenden gedachten Huetten und warten. Wir sehen dass die Warnungen in den Reisefuehrern vor solchen "Gaststaetten" gerechtfertigt sind. Wir trinken nichts vom angebotenen Milchtee, welchen sogar Timka fuer sehr schlecht haelt, obwohl sie doch einen "Wolfsmagen" hat. Ich wage einen Blick in die Kueche und werde nicht enttaeuscht: auf dem Boden liegt der Kopf einer Ziege. Ein blutiger Matsch und ein Stueck Rueckrad ragen noch heraus. Ich versuche nicht laenger darueber nachzudenken, wie lange der Ziegenkopf hier in der Waerme schon herumliegt. Aber auch hier ist es bereits wie schon die ganze Zeit ueber in der Mongolei: es gibt auffaellig wenige Fliegen. Wir fahren irgendwann weiter und erreichen den Salzsee wo Bayas Mutter wohnt.









Wir bleiben nur kurz und fahren weiter Richtung Batnjams Mutter. Das Murmeltier gibt es also nicht, das sollten wir eigentlich am Salzsee essen. Aber wir sind froh darueber, denn eigentlich trauen wir uns noch nix zu essen, obwohl zumindest ich erstmal keine Bauchschmerzen mehr habe.


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