Donnerstag, 30. November 2017

06 - Karakorum

05.07.2007, 270km westlich von Ulan Bator

Melanie und ich sind als erste wach. Ich habe nicht besonders gut geschlafen. Es war auch etwas zu warm im Schlafsack. Mit den ersten Sonnenstrahlen - gegen 6:00 Uhr - ist es im Zelt nicht mehr auszuhalten.



Ich schreibe das Tagebuch weiter und bald ist auch Iltim wach und beginnt mit den Vorbereitungen zum Fruehstueck. Heute gibt es das erste Mal Muesli und Kornflakes. Wir ueben wie immer bei den Mahlzeiten etwas Mongolisch oder zumindest die Aussprache der wichtigsten Woerter.




Nach dem Fruehstueck fahren wir zum nahe gelegenen Karakorum. Der alten Hauptstadt der Mongolen unter Chingis Khan. Von Karakorum ist nach der Zerstoerung durch die Chinesen im 14. Jahrhundert nicht viel uebrig geblieben. Doch ein Sohn von Chingis Khan hat dort ein Kloster gebaut dessen Mauern mit den 108 Tuermen noch gut erhalten sind. Es sind auch noch einige Klostergebaeude mit Buddhafiguren vorhanden die man sich ansehen kann.


Die Mauern des Klosters von Karakorum

Gleich am mit etwa nur 20 Fahrzeugen belegten Parkplatz stehen zwei Jungen. Einer mit bunter, traditioneller Kleidung und der andere mit einem 8 Kilo schweren Steinadler.  Fuer 1000 Toureg kann man das arme Tier auf die Hand nehmen und sich fotografieren lassen. Es sieht stark nach Tierquaelerei aus, aber wir machen den Qutasch mit, denn wir wollen den Adler fotografieren. Es ist sehr heiss heute direkt in der Sonne und der arme Vogel atmet schwer. Der Junge bespritzt den Vogel zwar immer mal mit Wasser, aber so richtig scheint ihm auch das nicht zu gefallen.


ganz schoen schwer


nicht fuer ihn!






Batnjam macht das wie ein Profi


der Steinadler kaempft mit der Hitze



das Mittagessen fuer den Adler wartet auch schon


Die Klosteranlage selbst ist sehr schoen. Wenn man aber den von den Mauern umfassten Bereich sieht, weiss man, dass eigentlich nicht mehr viel erhalten geblieben ist. In der Mitte der Anlage sind noch die Fundamente einer riesigen Jurte zu sehen, vielleicht 20m im Durchmessern.










In einem der Klostergebaeude hoeren wir ein aelteres Ehepaar in stark saechsischem Akzent reden. Wir sprechen sie an und erfahren, dass sie aus Leipzig sind. Spaeter treffen wir noch einen weiteren Deutschen, der schon 20 Jahre in der Mongolei lebt und hier fuer das Landwirstschaftsministerium als Veterinaer arbeitet. Er ist schon in allen Ecken der Mongolei gewesen und klagt etwas ueber die Zustaende hier und dabei waere es trotzdem schon besser geworden. Er ist 65 Jahre alt und stellt uns den Rest seiner Familie vor. Seine mongolische Frau und seine Tochter, die mit ihrem Mann gerade aus Deutschland zu Besuch da ist. Sie gibt uns gleich die Erzaehlungen der Mongolischen Reisefuehrer weiter. Auch Batnjam spricht die Reisefuehrer immer wieder an um ein paar Fragen loszuwerden und informiert uns damit ueber alles. Er kennt keine Beruehrungsaengste und macht auch fleissig Witze im Kloster und lacht viel. Wir haben Spass hier.



Auf die Frage der Reisefuehrerin an die hauptsaechlich amerikanischen Touristen, warum Buddha vier Arme hat, ruft Batnjam auf mongolisch: "weil ihm mit jeder Wiedergeburt ein neuer Arm gewachsen ist". Batnjam ist nicht religioes erzogen worden und meint er wisse nicht sehr viel ueber den Buddhismus. Aber er liesst alle Schilder vor und gibt sich Muehe uns alles zu erklaeren. Eine Kiste mit einer von einer Glasscheibe geschuetzten Buddhafigur haelt er zunaechst fuer ein Radio. :) Er leistet sich noch einen lustigen Versprecher, als er von Buddhas Nachgeburt spricht. Insgesamt ist sein Deutsch aber immer noch sehr gut und wir sind froh das es geklappt hat, dass er uns begleitet.
















Wir bleiben dann viel laenger als geplant und fahren erst 15 Uhr statt 13 Uhr weiter. Es geht noch zu einem Steinpenis, den die Moenche angeblich fuer die Frauen gebaut haben, weil sie die Moenche nicht haben durften. Hmm.



Baja - der Beste Fahrer der Mongolei


Iltim - der beste Koch der Mongolei


Nun fahren wir weiter zu der Stelle, wo Iltim das Mittag vorbereitet hat und ihm mittlerweile das Gas ausgegangen ist, weil er das Essen warm halten wollte und wir aber zwei Stunden zu spaet kamen.


Da passt noch was rein

Wir bekommen reichlich zu essen und zu trinken. Kaum haben wir den Tee getrunken, erfahren wir, dass das Wasser vom Fluss ist.



Mittag


Wir schauen hinueber und sehen ein paar Pferde drin stehen und jede Menge Schafe in der Naehe.




Bei einem kleiner Inspektion des Ufers entdecken wir im Wasser noch eine alte Socke. Wir freuen uns schon auf den naechsten Tee.


noch jemand Durst auf frisches Flusswasser



die Kinder holen Wasser vom Fluss


Wieder verlassen wir die asphaltierte Strasse und es geht jetzt in einer atemberaubenden Geschwindigkeit auf Feldwegen weiter.


Offensichtlich muessen wir etwas verlorengegangene Zeit aufholen.




Ausserdem steht die erste Flussueberquerung an.









Die naechsten Stunden werden wir ordentlich durchgeschuettelt. Baja scheint es sehr eilig zu haben. Unterwegs halten wir nochmal an einem tollen Regenbogen, wie ich selten einen gesehen habe.


Futter fuer die Kameras.








Unser Nachtlager finden wir an einem Fluss, nachem Baja mehrmals im Kreis gefahren ist um die beste Stelle zu finden. Heute gibt es Asia-Nudel-Snacks. Einige Hunde gesellen sich zu unserem Lager und betteln. Sie sind ziemlich ausgehungert. Einer frisst sogar Apfelreste und Chips.



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