Es ist 7:18. Ich liege auf dem Bauch vor unserem Zelt auf einem Stueck Iso-Matte. Ich hoere Melanie im Zelt wuehlen. Sonst scheint noch niemand wach zu sein. Die Sonne steht schon recht hoch ueber dem Bergkamm. Der Wind weht noch kuehl durch das Tal, aber die Morgensonne ist angenehm warm. Wie immer will ich die Ereignisse des Vortages zusammenschreiben.




Nachdem wir trotz aller schlechter Geschichten des Besuchers aus dem Jurstencamp die Nacht an der Schlucht gut ueberstanden haben, gibt es wieder ein ausgiebiges Fruehstueck. Ueberhaupt es die Mongolen reichlich und oft, halten sich aber selten an irgendwelche festen Zeiten. Vielleicht liegt es auch nur an dem Umstand der Reise. Wir haben schon einmal 13 Uhr Mittag gegessen, genauso aber auch 17:15 Uhr ein Mittag gehabt. Fuer uns soll es heute zum Fruehstueck wieder reichlich Muesli geben, deshlab faehrt Baja los, um bei einem Hirten in der Naehe frische Milch zu kaufen. Es gibt diesmal Yak-Milch, welche ganz frisch gezapft wurde und deshalb sehr fettig ist und gut schmeckt. Sie wird mit etwas Wasser verduennt und dann gekocht. Uns schmeckt sie ganz gut, geht leicht ins suessliche und erinnert am ehesten noch an Kaffeesahne.

Nachdem alle Sachen wieder im Minibus verstaut sind, fahren wir zunaechst ein Stueck wieder zurueck zu einem bestimmten Baum im Wald welcher verehrt wird. Eigentlich sieht man staendig irgendwelche Steinhaufen oder Baeume, welche mit blauen Tuechern geschmueckt sind. Mir ist meist nicht ersichtlich worin sich die Steinhaufen oder Baeume von anderen unterscheiden und weshalb sie besser oder wichtiger sind als andere. Wahrscheinlich ranken sich ein paar Geschichten darum. So auch hier bei diesem Baum: er ist recht verzweigt, aber sonst nicht von anderem Baeumen zu unterscheiden. Dafuer sieht es zumindest fuer unsere Augen oft etwas muellig aus, da die blauen Tuecher oft sehr willkuerlich um den Stamm und die Zweige gewickelt sind und die Farbe leider ein wenig an unsere blauen Muellsaecke erinnert.






Auch hier laufen wir wieder unsere Runden um den Baum und werfen einen Stein auf den Haufen am Fusse des Stamms.
Danach geht es weiter durch schoene, weite, aber trockene Taeler Richtung Westen. Unser Ziel ist heute der "Weisse See".

Da der chinesische 220V Adapter unseres DVD-Brenners heute in Flammen aufgegangen ist, frage ich Batnyam ob wir irgendwo halten koennen um den Akku des portablen Brenners aufladen zu koennen. Er meint, das waere kein Problem. Das sagt Batnyam eigentlich immer :).
Irgendwann ist der Tank des Minibusses alle. Ralf, Melanie und ich sind schon etwas besorgt, also wir ploetzlich irgendwo im Nirgendwo stehen bleiben - eine Situation mit der wir frueher oder spaeter aber rechnen mussten. Dieses mal ist aber alles halb so schlimm. Baja schaltet auf den Reservetank um und laesst den Motor wieder an. Wir fahren weiter bis wir gegen 13 Uhr mitten im Nichts auf ein kleines, aber weitlaeufiges Dorf treffen und dort eine Tankstelle finden. Diese besteht aus genau einer Zapfsaeule und einem grossen Tank.

Ein paar Kinder verkaufen uns Fisch, von welchem ich aber nur ein winizges Stueck koste - man muss sein Schicksal ja nicht zu sehr herausfordern. Nach dem Tanken laufen wir zu einer Huette, wo wir dem Besitzer etwas Geld und ein paar Bonbons geben und ich den Brenner anschliessen darf. Ich fuehle mich etwas unwohl. Wir denken wir stoeren irgendwie. Die Huette scheint so etwas wie ein Gasthof zu sein. Natuerlich nicht mit einem Gasthof in Deutschland zu vergleichen.

In einem Zimmer gibt es einen einzelnen Tisch und eine Art Lager, wo man ein Schlaefchen machen kann, um sich von der Reise zu erholen. Das andere Zimmer erreicht man - wenn man sich tief bueckt - durch ein Loch in der Wand. Dort sitzt eine huebsche und festlich gekleidete Mutter auf einer wackeligen Liege. Vor ihr liegt ein ein-monate altes Baby.

Jetzt kommen auch zwei kleine Jungen an und bestaunen mich. Batnyam ist wieder heraus gegangen und nun bin ich alleine hier bei den Fremden Leuten und schaue immer wieder ungeduldig auf den Fortschrittsbalken des DVD-Brenners.

Dieser bewegt sich gaehnend langsam Vorwearts und est ist schon abzusehen, dass es in etwa 1 Stunde dauern wird bis die 4 GByte Speicherkarte gebrannt ist. Mittlerweile scheint sich unser Besuch herum gesprochen zu haben.

Es tauchen immer mehr Familienmitglieder auf. Das Zimmer besteht nur aus der erwaehnten Liege, einer baufaelligen kleinen Kommode mit Spiegel darauf, einer Kochflaeche mit grossem Ofen, welcher im Winter gleichzeitig zum Heizen der ganzen Huette benutzt wird und jeder Menge Poster an den Waenden, welche aber keinen erkennbaren Zusammenhang haben. Ausser vielleicht, dass alle extrem bunt sind. Vor der Kommode sitzt eine Frau und schmiert sich irgend eine Paste ins Gesicht. Ab und zu klappt sie die oberste Schublade der Kommode auf, bzw. legt sie auf den Fussboden, denn die Halterung ist kaputt, und wuehlt in irgend welchen Utensilien. Ich versuche nicht hinzusehen und unsichtbar zu sein, sie scheint sich an meiner Anwesenheit nicht weiter zu stoeren. Vermutlich kennt sie nicht viel Privatsphaere, die ganze Familie lebt ja in diesen zwei Zimmern.

Sie wuehlt wieder in der Kommode mit dem Fadenscheinigen Inhalt. Ich schaue auf die Fortschrittsanzeige des Brenners. Fuer kein Geld der Welt wuerde ich in die Kommode greifen. Ich schicke bleibe still sizten und schicke meine Augen auf einen weiteren Spionagerundflug durch das Zimmer. Auch die fuenfte Person ist interessant. Sie ist vielleicht 18 Jahre alt und buegelt auf dem Fussboden eine leichte, schwarze Hose. Das Buegeleisen steckt sie immer wieder mal an einen zwielichten Zweifachverteiler, der an einem fragwuerdigen Kabel traurig von der Decke haengt. Ich vermute diese Aktionen sind nicht gut fuer die DVD im Brenner (und sollte damit auch recht behalten). Ab und zu schoeft die junge Frau auch etwas Wasser aus einer grossen Tonne.

Das Wasser in der Tonne dient fuer alles Moegliche, jedenfalls wird damit auch eine Art Spuelkasten zum Haendewaschen in Gaesteraum nachgefuellt und auch der grosse Kessel fuer den Tee. Fasziniert beobachte ich eine Kaki, welche langsam Richtung Gaesteraum krabbelt. Ploetzlich kommen die zwei Knirpse wieder angerannt, verfolgt von Batnjam. Ich schaue wegen der nun heftigen Vibrationen aengstlich auf den Brenner. Als ich wieder zur Kaki schaue, sehe ich noch wie Batnjam den Fuss wieder hoch hebt und das vorzeitige Ende der Kaki eingeleitet hat.

Die ganze Familie hat sich hier heute scheinbar zusammengefunden, weil wohl gemeinsam eine grosse Reise gemacht werden soll. Batnjam erzaehlt ihnen, dass wir Familienenfotos von ihnen machen koennen und so stellen sich alle in ihren besten Klamotten zwischen Haus und Auto auf.

Dann steigen alle - ich glaube 8 oder 9 Leute gezaehlt zu haben - in den russichen Jeep und fahren winkend davon. Ich gehe wieder in die Huette und freue mich, dass inzwischen auch die Batterie des Brenners wieder geladen ist, denn die Lade-LED ist aus. Eine genauere Inspektion des Dispays zeigt aber, dass die Batterien nur zu 50% geladen wurde. Zuerst denken wir, dass der Brenner nun bereits kaputt gegangen ist. Es hat aber nur jemand den Stecker vom Verteiler abgezogen. Vermutlich als die Hose fertig gebuegelt war. Wir finden eine andere Steckdose mit Saft und der Vorgang beginnt von Neuem.


Die Zeit vertreiben wir uns mit Mau-Mau spielen mit Baja. Und mit fotografieren.

Nun erfahren wir auch, dass die Jurte hinter dem Haus als Schalfplatz fuer die Familie dient. Auf dem Dach wird gerade Quark getrocknet. Dieser wird irgendwann knochenhart und dann als eine Art Snack oder Suessigkeit gegessen.

Gegen 15:45 sind zwei Speicherkarten gebrannt und der Akku ist fast voll.
Ralf drueckt sich zurecht um den angebotenen Milchtee - schliesslich hat er keine Hepatitis- Schutzimpfung. Immerhin hat er die Kakerlake in der Kueche nicht gesehen.


Endlich geht es zu Timka und Iltim, welche am Fluss mit dem Essen auf uns gewartet haben. Das Essen ist inzwischen kalt. Aber es wird uns nicht uebel genommen. Das Essen ist trotzdem lecker und kurz danach fahren wir weiter Richtung Vulkan. Eintritt fuer den Nationalpark muessen wir nicht zahlen. Iltim hat wieder mal seinen Ausweis vom Katastrophenschutzministerium gezeigt, fuer welches er arbeitet. Ausserdem hat er wohl behauptet, dass wir Naturschuetzer sind. Der grosse blaue Unicef-Aufkleber an der Tuer von Bajas Bus traegt wohl auch noch etwas zu unserem offiziellen Anstrich bei. Damit sparen wir wohl 5$ Eintritt pro Person - zumindest fuer uns Auslaender. Wir wandern hinauf zum Vulkankrater, welcher recht gross und tief ist und geniesen die Aussicht. Wir klettern hinunter und machen ein paar Fotos.







Es gibt jede Menge lockerer Lavasteine, keinen richtigen Wanderweg. Wir klettern wieder hinauf. Ralf hatte sich unterdessen entschlossen, einmal um den Krater herum zu laufen. Das war auf jeden Fall die bessere Entscheidung. Unten war dann doch nicht viel zu sehen und die Kletterei eher gefaehrlich.

Waehrend wir Ralf zuwinken, sehen wir einen hier seltenen Weisskopfadler. Wir laufen vom Vulkan wieder herunter und an einer "Ein-Mann-Hoehle" vorbei.


Spaeter treffen wir noch ein Paerchen aus Amerika auf Mountainbikes. Wir sehen uns die "Hoehle des gelben Hundes" an. Das hat wohl nichts mit dem Film zu tun. Dann gibt es in der Naehe noch die "Eishoehle". Es ist aber nur noch ein ganz kleiner Rest Eis zu sehen.



Danach fahren wir direkt zu einem schoenen See weiter. Wir passieren die offiziellen Uebernachtungsmoeglichkeiten und fahren auch vorbei an der Absperrung fuer Fahrzeuge, direkt zu einem "einsamen Felsen" am Strand.


Unsere Freunde wollen dort uebernachten. Uns ist ziemlich unwohl dabei, denn wir haben gelesen, dass man im Nationalpark nicht zelten darf. Und dann wollen sie auch noch hinter der nicht zu uebersehenden weis-roten Absperrung das Lager aufschlagen. Batnjam beteuert immer wieder, dass sei kein Problem und erlaubt. Aber nun dauert es nicht lange und es kommen zwei Uniformierte auf einem Motorrad angefahren. Es wird nun heftig diskutiert. Iltim holt wieder seinen Ausweis raus. Sie einigen sich darauf, dass wir hier nur essen und dann verschwinden und woanders essen sollen. Die Uniformierten ziehen sich langsam zurueck. Sie sehen ziemlich angepisst aus.

Wir sind erleichtert, dass die Sache nun geklaert ist. Doch unsere Freunde bestehen nun noch darauf im See zu baden und machen sich auf den Weg ins Wasser. Darauf drehen die Nationalparkswaechter wieder um und kommen zurueck zu uns gefahren. Sie rufen unsere Freunde zurueck, aber auch das wird ignoriert und irgend wann geben die Waechter wuetend auf. Beeindruckend war, wie Batnjam sich waherend der Diskussion mit den Wachleuten weiter Auszug und ins Wasser stieg. Wir standen dabei die ganze Zeit unsicher am Minibus. Timka ueberredet uns schliesslich mit ins Wasser zu kommen. Sie lernt uns ein mongolisches Sprichtwort: "Man soll den Hut niemals verkehrt herum aufsetzen!" Hmm. Wir gruebeln was das heissen soll. Wiederwillig gehen wir ins Wasser und bekommen fast einen Kaelteschock! Es ist eigentlich unmoeglich auszuhalten. Dafuer hat sich die ganze Streiterei sicher nicht gelohnt. Batnjam meint aber, wir sollen ruhig weiter rein gehen, das Wasser sei warm. Ralf wird nun kurzer Hand ins Wasser geschubst und kurze Zeit spaeter frieren wir um die Wette. Nach vielleicht 10 Minuten nutze ich eine Gelegenheit mich ans Ufer zu schleppen. Nach ein paar runden im Laufschritt um das Auto habe ich den Eindruck meine Fuesse wieder etwas zu spueren.




Nach dem Essen packen wir tatsaechlich zusammen und suchen uns einen legalen Zeltplatz. Das aufziehende Unwetter verpassen wir knapp und gehen gegen 23:00 Uhr schlafen.

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