Gegen 7:30 Uhr stehen wir auf. Sobald die Sonne auf das Zelt scheint ist es einfach zu warm um weiterzuschlafen. Waehrend ich die naechsten 1.5h die Erlebnisse des letzten Tages aufschreibe, laeuft Melanie den Berg hoch um zu fotografieren. Und um Batnjams schnarchen zu entkommen. Irgendwann ist sie nicht mehr zu sehen. Bald ist auch Ralf wach und laeuft ebenfalls mit Kamera bewaffnet den Berg hinauf.




Gegen 9:30 Uhr sind dann alle wach und das Fruehstueck wird gemacht. Timka niesst heute frueh sehr oft - sie hat sich scheinbar erkaeltet. Kein Wunder bei dem eiskalten Wasser gestern. Ihr geht es auch nicht so gut, sie hat den ganzen Tag zu kaempfen, klagt aber nicht. Ich melde mich freiwillig als neuer Hilfskoch.

Zum Fruehstueck gibt es wieder verduennte und aufgekochte Yakmilch. Diesmal mit etwas Zucker. Das schmeckt noch besser. Irgendwann ist alles wieder verstaut und die Fahrt geht weiter.







Der Minivan durchfaehrt einige Wasserlaeufe und kaempft sich steile, enge und mit spitzen Steinen uebersaehten Feldwege entlang.


Auf einem eigentlich flachen Stueck riecht es ploetzlich komisch. Baja, haelt an und prueft kurz das Herz des Minibusses. Er sieht nichts ungewoehnliches. Als er weiter fahren will springt der Motor aber nicht mehr an. Irgend etwas an der Kuehlung ist kaputt gegangen.

Es wird sofort improvisiert. Iltim schlaegt vor, das wir Mittag machen. Melanie und ich helfen beim Kartoffeln schaelen. Hilfskoch Timka koennen wir nicht vollstaendig ersetzen.


Es werden alte Kuhlfladen gesammelt. Es ist wichtig moeglichst trockenen Dung einzusammeln. Ein guter Trick ist, dass man gegen den Kuhhaufen tritt. Fliegt er weg, ist er trocken genug, bleibt er am Schuh kleben muss man einen anderen Haufen finden.

Die Sch&%#e brennt! Und zwar richtig gut und erstaunlich geruchsneutral!
Nach einer Weile kommen fuenf Kinder von ein paar nahe gelegenen Jurten heran gelaufen und wir spielen etwas Ball mit ihnen. Das macht ihnen richtig Spass - wahrscheinlich eine seltene Abwechslung hier draussen in der Wildnis die ihre Heimat ist. Nun erfahren wir aber, dass die meisten Kinder nur in den Sommerferien und Winterferien bei ihren Eltern oder Grosseltern auf dem Land sind, um ihnen bei der Arbeit zu helfen. Sonst sind sie in einem Internat oder Besuchen die Schule bei Verwandten.





Irgendwann gelingt es Baja den Motor wieder zu starten. Bis dahin hatte er ihn so ziemlich vollstaendig auseinenandergenommen und die Eingeweide auf der Wiese verteilt.

Ralf und Batnjam haben sich inzwischen den Wasserkanister geschnappt und sich auf die Suche nach Trinkwasser gemacht. Es dauert sehr lange bis sie wieder zurueck kommen. Ralf schleppt tapfer den 20 Liter Kanister durch die mittlerweile sengende Hitze. Es ist der bisher heisseste Tag, vielleicht knapp ueber 30 Grad Celsius. Kein Schatten weit und breit und nur selten ein paar kleine Wolken am Himmel. Gegen 16 Uhr gibt es Mittag.



Danach fahren wir weiter. In einem kleinen Ort kauf Timka eine Tafel Schokolade. Ich nutze die Gelegenheit bei zwei Teenagerinnen meine neu gewonnenen Kenntnisse in der mongolischen Sprache auszuprobieren: "Be bol Frank. In harr hudung chichic addo minich." - "Ich heisse Frank. Ich habe ein kleines schnelles schwarzes Pferd." Sie kruebeln eine Weile und beratschlagen was sie von mir halten sollen. Ich weiss nicht ob sie mich wirklich verstanden haben. Sie lachen erst mal. Sie scheinen sich aber nicht ganz sicher zu sein, ob bei mir alle Schrauben richtig sitzen.


Wir fahren weiter Richtung Pass. Unterwegs nehmen wir Wasser von einem Bach auf. Batnjam nennt es Quellwasser. Ich schaue den Bachlauf hinauf und entdecke etwas oberhalb unserer Wasserstelle drei Jurten. Egal! Bis jetzt haben wir uns den Magen noch nicht verdorben. Baja kuehlt den Motor mit kaltem Wasser von aussen. Dann geht es den ziemlich steilen Weg zum Pass hinauf, bis auf etwa 2.500m.

Oben werfen wir wieder ein paar Steine auf einen Haufen und wuenschen uns etwas. Es ist sehr kalt hier und eigentlich nicht viel zu sehen. Deshalb wird die Pause diesmal kurz.
Jetzt geht es den noch steileren Weg wieder hinab, welcher frueher, bevor die Strasse verbessert wurde, wohl einmal sehr gefaehrlich war. Wir denken dass der Weg immernoch gefaehrlich ist. Es gibt Stuecken mit sehr starkem Gefaelle. Aber Baja faehrt sehr vorsichtig und alles geht gut. Auf etwa 2000m Hoehe verlassen wir die Schotterstrasse wieder, die hier woertlich "verbesserte Strasse" genannt wird. Waren wir bisher in sehr duenn besiedeltem Land, so muss man das nun Abseit der "grossen Strasse" durchfahrene Gebiet "Niemandsland" nennen. Das es hier gar kein Wasser mehr gibt, sehen wir nun auch erstmals ein Tal voellig ohne Nutztiere. Lediglich ein Pferd steht an einem Waldrand. Es scheint abgehauen zu sein. Baja haellt an und laesst den zischenden Motor abkuehlen. 120 Grad Celsius zeigt die Kuehlwasser-Temperaturanzeige.





Wir fahren weiter auf einem ganz schlechten Feldweg. Es ist kaum vorstellbar das wir hier ueberhaupt weiter kommen. Der Inhalt des Fahrzeuges wird samt seiner Insasses gut durchgeruehert. Bald sehen wir wieder Weidevieh und Jurten. Der Weg bleibt weiter schlecht. Es ist ganz offensichtlich ein Gebiet in welchem nur ganz selten ueberhaupt Autos fahren.

Wir sehen einen kleinen Fuchs in der Daemerung. Eigentlich wollten wir an einem Fluss uebernachten, aber dieser ist voellig ausgetrocknet. Wir bleiben also mitten im Tal ohne Wasser in unmittlebarer Naehe.

Kinder kommen mit einem Wagen voller Kanister vorbei. Auch sie wollen irgendwo Wasser holen. Ich verschenke je zwei Bonbons und staune nicht schlecht als der Junge auf Deutsch "Danke" sagt.

Spater besuchen uns die Bewohner der Jurten und zeigen uns Photos von einem Ausflug in die Wueste auf ihrer Digitalkamera. Auch ein Student besucht uns und spricht ein paar Worte auf Englisch zu uns. Alle sind sehr nett. Wir erfahren, dass es eine mognolische Tradition ist, vorbeiziehenden Reisenden etwas anzubieten. Wir bekommen Tee und lassen dafuer die Wodkaschuessel kreisen. Abends bringen wir Iltim und Baja "Doppelkopf" bei. Schon in der zweiten Runde gewinnt Baja ein Solo. Er ist ein Naturtalent. Ein sehr guter Kartenspieler, so wie es Batnjam uns schan angekuendigt hatte.



Gegen 0 Uhr gehen wir schlafen.
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